„Freundschaft ist nicht selbstverständlich“

US GeneralkonsulLeons Augen leuchteten, als plötzlich ein schwarzer Transporter mit dunkel getönten Scheiben vor dem MCG vorfuhr: „Cool, wie im FBI-Film“, staunte der Elftklässler. Personenschützer, die das Gelände kurz inspizieren, bevor sie einen hohen Repräsentanten der USA ins Gebäude begleiteten.

 

 

Zu Besuch war kein Geringerer als der amerikanische Generalkonsul Richard T. Yoneoka, der einer Einladung von Stephanie Sommerfeld und ihrem Englischkurs der Jahrgangsstufe 11 folgte, um als Botschafter seines Landes Fragen der Schüler zu allen USA-bezogenen Themen zu beantworten.

 

„You can call me Rick“, stellte der Ehrengast dann zügig klar, was durchaus für Überraschung bei den Schülerinnen und Schülern sorgte. Schließlich ist Yoneoka seit 18 Jahren im Dienst der US-Regierung und hat bereits vier Präsidenten gedient. Worin besteht die Arbeit eines amerikanischen Diplomaten in Hamburg? „Meine Aufgabe ist es, den US-Regierungsvertretern in Berlin und Washington zu erklären, was die Norddeutschen denken und empfinden, den Norddeutschen wiederum die amerikanische Sicht zu vermitteln.“


Außerdem kümmert sich der Generalkonsul um die Bedürfnisse der im Norden Deutschlands lebenden Amerikaner (immerhin mehr als 20.000) und organisiert Veranstaltungen, um Menschen beider Länder in Kontakt miteinander zu bringen.


Yoneoka erklärte: „Freundschaft ist nicht selbstverständlich. Wie jede Beziehung im Leben braucht auch das deutsch-amerikanische Verhältnis viel Zeit, Energie und beidseitige Beziehungsarbeit.“ Eine Aufgabe, die der Berufsdiplomat offenbar sehr ernst nimmt, denn am Ende stand Richard Yoneoka den MCG-Schülern nicht nur die geplanten 70 Minuten Rede und Antwort, sondern komplette zwei Schulstunden und die gesamte Mittagspause. „Eine so engagierte und spannende Diskussion kann ich schließlich nicht einfach abbrechen, nur weil es zur Pause geklingelt hat“, schmunzelte der Konsul.


Die Themen, welche die Schülerinnen und Schüler diskutieren wollten, hatten es durchaus in sich. So wurde Yoneoka befragt nach seiner Meinung zum befürchteten Isolationismus Amerikas, nachdem US-Präsident Donald Trump eine Rückbesinnung auf „America First“ angekündigt hatte. Der Diplomat erwähnte in diesem Zusammenhang das Dilemma, in dem sich die USA oft befänden: „Greifen wir ein, wirft man uns vor, Weltpolizei zu spielen. Halten wir uns raus, heißt es, wir ließen die Welt im Stich.“


Das Zwei-Parteiensystem und die Frage, wie man Diplomat wird, beschäftigten die Schülerinnen und Schüler in ihrem Gespräch mit dem US-Generalkonsul genauso, wie der Kampf gegen den IS und die zunehmende Zahl an Krisenregionen. Eine spannende Diskussion mit vielen offenen Worten war es, in der es den Schülerinnen und Schülern gelang, dem Konsul ihre Sicht der Dinge näher zu bringen und zugleich nachvollziehen zu können, wie die Sichtweise der USA zu strittigen Themen ist.


Am Ende stand Richard Yoneoka, der übrigens in Rochester im Bundesstaat New York aufgewachsen und mit einer Deutschen verheiratet ist, sogar noch für Fotos mit den MCG’-lern bereit, bevor er sich – umgeben von seinen Personenschützern – wieder in seinen Transporter mit den getönten Scheiben begab. Ganz wie im FBI-Film eben.