Oberstufe: Lesungen zu Abiturthemen

 

Was haben Sophokles´ Drama „König Ödipus“ und Kleists Komödie „Der zerbrochne Krug“ gemeinsam? – „In beiden Stücken ist der Täter derjenige, der beauftragt ist etwas aufzuklären“, lautete die spontane Antwort von Janning Kahnert.

Der 35-Jährige zählte zum Ensemble des Deutschen Schauspielhauses Hamburg und beantwortete am Donnerstag im Rahmen einer Lesung gemeinsam mit seiner Kollegin Ute Hannig zahlreiche Fragen der Schülerinnen und Schüler des ersten Oberstufensemesters des Matthias-Claudius-Gymnasiums. Kahnert, der in der vergangenen Spielzeit auf der Bühne den Kreon, Ödipus' Onkel, verkörperte, machte noch auf weitere Parallelen aufmerksam: „In beiden Fällen findet das Stück an einem Ort und zu einer Zeit statt. Außerdem sieht man die eigentliche Handlung nicht“, ergänzte er. – Die Schülerinnen und Schüler nahmen die Hinweise aus erster Hand dankbar an, denn beide Stücke gehören zum Deutsch-Kanon für das Zentralabitur.

Doch nicht der Blick auf baldige Abiturprüfungen, sondern vielmehr der spannende Lesestoff und die lebhafte Darbietung der beiden Experten vermochten das junge Publikum nachhaltig zu fesseln. Kahnert und Hannig trugen eigens gekürzte Fassungen beider Stücke vor und weckten so Lust auf den nächsten Theaterbesuch. Den Anfang machte König Ödipus, der seinen Vater ermordet, seine Mutter ehelicht und sich am Ende selbst die Augen aussticht. Sein tragisches Schicksal ging den Schülerinnen und Schülern besonders unter die Haut. Ute Hannig würzte die Lesung mit viel Spielfreude und schlüpfte vom einen auf den anderen Augenblick in verschiedene Dramenfiguren.

Anschließend gelang es Kahnert in der Rolle des niederländischen Dorfrichters Adam bei der Aufklärung des Falles rund um den zerbrochenen Krug zu brillieren. „Sprachlich liegt zwischen den Stücken ein riesiger Unterschied. Bei Ödipus können wir auf verschiedene Übersetzungen zurückgreifen und sind in der Gestaltung freier. Der zerbrochne Krug ist für seine verstellte Sprache berühmt. Lange und komplizierte Sätze geben den Ton an“, erläuterte er. Diese Schwierigkeit geht mit einer langen Vorbereitungszeit für die Schauspieler einher. „Wir üben für so eine Rolle acht Wochen lang, jeden Tag“, plauderte Hannig aus dem Nähkästchen. Doch nicht nur die Schauspieler waren gut vorbereitet. Viele Nachfragen der Schülerinnen und Schüler bewiesen, dass die Deutschkurse des S1 bereits im Vorfeld intensiv gearbeitet haben. Nicht zuletzt aus diesem Grund war die Lesung, die durch Frau Sinhuber organisiert wurde, ein voller Erfolg.

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