Ein Austauschjahr am MCG

2015 Austauschmesse 3Ein Jahr im Ausland zu verbringen, ist für viele Schülerinnen und Schüler am MCG ein Traum, der mit der Unterstützung von Frau Held wahr werden kann. Wie so ein Auslandsjahr verlaufen kann, wenn Frau Held ausländische Schülerinnen und Schüler zu uns einlädt, berichtet unsere ehemalige Austauschschülerin Anna Mishina aus St. Petersburg.

 

„Vor einem Jahr bin ich nach Hamburg gekommen, um die deutsche Kultur zu erleben und am MCG in die Schule zu gehen. Ich kann mich immer noch ganz genau an den ersten Tag erinnern, wie mich Herr Robinson im Schulbüro mit freundlichem Lächeln begrüßt hat. Ich dachte nur: „Oh, ich verstehe, was er sagt“, und freute mich. Diese Freude war von kurzer Dauer -  kurz danach im Unterricht bei Herrn Lange habe ich zunächst überhaupt nichts verstanden. Lag es an der deutschen Sprache oder am Fach Physik? Vermutlich an beidem.
Die anderthalbstunden Unterricht haben mich zudem auch ganz schön angestrengt, bei uns in Russland ist eine Unterrichtsstunde kürzer. Positiv überrascht war ich dann aber von der langen Mittagspause. Meine neuen Schulfreunde haben mir in dieser Zeit in Wandsbek die Bäcker gezeigt, wo ich seitdem unzählige Male war und immer gerne deutsche Brötchen gegessen habe.


Ich wollte so viel wie möglich von meinem Auslandsjahr mitnehmen. Und ich bin sehr froh, dass das MCG mir vieles davon ermöglicht hat. Beispielsweise hatte ich wirklich tolle Lehrer, meine Tutorinnen Frau Krey und Frau Schönenberg waren einfach die besten. Übrigens, der erste Unterricht, in dem ich keine Sprachprobleme hatte, war Chemie. Vielleicht, weil mich mit meinem slawischen Akzent keiner, außer Frau Schönenberg, die ja aus Tschechien ist, verstehen konnte. Auf das Fach Chemie und die Profiltage habe ich mich immer besonders gefreut. Mit meinen erworbenen fachlichen Kenntnissen im MCG-Bio/Chemie-Profil spare ich mir nun zu Hause an der Staatlichen Universität von St. Petersburg viel Zeit und Mühe beim Medizinstudium.

Auch mit meiner Tut-Gruppe habe ich Glück gehabt, da fühlte ich mich wohl, so viele waren freundlich und offen und haben mit mir viel Zeit verbracht. Sie haben mir die deutsche Jugendkultur gezeigt und die Möglichkeit gegeben, zu verstehen, dass die Jugendlichen überall irgendwie ähnlich sind. Außerdem habe ich viele unterschiedliche Kulturen  durch meine Mitschüler kennengelernt: so zum Beispiel die Afrikanische, Iranische, Vietnamesische, Polnische, Afghanische. Und ich musste auch so weit von Russland entfernt sein, um eine neue Freundin aus der Ukraine zu finden. Wir haben statt russisch sogar deutsch miteinander gesprochen.


Als ich nach einiger Zeit die deutsche Sprache besser gelernt hatte, haben mir auch die anderen Fächer gefallen. Aufgabenstellungen, Sachinhalte, Materialbeschreibungen und natürlich die kleinen Witze der Lehrer konnte ich nun besser verstehen. Deutsch war eines meiner Lieblingsfächer. Am Anfang habe ich nur zugehört, am Ende las ich Kafka und Gernhardt auf Deutsch und schrieb lange Arbeiten über die deutsche Sprache und Literatur. So professionell waren meine Lehrer, mir all das beizubringen.

Im Fach Geschichte wurde für mich die Geschichte Deutschlands und die Russlands von einer neuen Seite betrachtet. Das war sehr interessant, und auch das Fach Philosophie hat meine Weltanschauung ziemlich beeinflusst. In Sport habe ich wieder verstanden, wie weit ich vom Sportlichen entfernt bin, aber die Art, wie es am MCG unterrichtet wurde, gefiel mir und ich wollte keine der Sportstunden verpassen.

 

Für mich wichtig waren aber auch die Freizeitaktivitäten, die das MCG bietet und vor allem am kreativen Leben am MCG habe ich mich beteiligt. Alle Theaterstücke von meiner Stufe habe ich besucht, eines davon war zu Matthias  Claudius‘ 200. Todestag. Das war für mich sehr beeindruckend. Alle Tickets waren an einem Tag schon ausverkauft, und das zu Recht, denn der Theaterabend hat sich auf alle Fälle gelohnt. Dann gab es auch den Talente-Abend, an dem ich selbst mitgewirkt habe und russische Volkslieder vorsang. Nur habe ich nicht verstanden, warum ich fast die einzige Teilnehmerin war, die älter als 14 war.

 
AnnaDie für mich schönste Veranstaltung war die szenische Lesung mit Schülern des MCG und der deutschen Filmschauspielerin Barbara Auer. Gelesen wurden Texte von und über Matthias Claudius und ich hatte als Sängerin zusammen mit der MCG-Schulband, der „Band mit Sti(e)l“, einen kleinen Auftritt. Die Band wird von Herrn Möller geleitet. Und ja, jetzt singt auch in Russland jemand auswendig „Der Mond ist aufgegangen“.


Eine Möglichkeit, ein Schülerpraktikum zu machen, hat mir die Zeit am MCG am Schluss meines Aufenthaltes eröffnet. Bei uns in Russland gibt es so etwas nämlich nicht. Zwei Wochen durfte ich in einem Krankenhaus erstmals selbst kranke Menschen pflegen. Das hat meine Ansichten sehr verändert und jetzt hilft es mir natürlich bei meinem Medizinstudium.


Zu guter Letzt habe ich an einer kleinen Austausch-Messe am MCG teilgenommen, wo ich allen Interessierten erzählen konnte, wie man ein Austauschjahr machen kann, und wie viel es einem bringen kann. Frau Held hatte diese Messe organisiert.


Das Einzige, was mich bis jetzt belastet, ist, dass ich mich gar nicht von meinen Lehrern verabschieden konnte. So gern hätte ich zu Ihnen „Danke“ gesagt. Diesen kleinen Artikel schreibe ich vor allem  deswegen, um dies nachzuholen.

Ich danke Ihnen ganz herzlich für diese schöne Zeit, für Ihren Unterricht und Ihre Hilfe! Ich weiß, dass das MCG schon viele Freunde auf der Welt hat. Jetzt ist Russland noch hinzugekommen. Die Zeit am MCG wird immer ein wichtiger Teil von mir sein.


Mit freundlichen Grüßen und großer Dankbarkeit aus St Petersburg


Anna Mishina