Austausch der Kulturen

krieg

 

In der Ostukraine herrscht seit Februar 2014 ein andauernder bewaffneter Konflikt. Wie gehen die Menschen vor Ort mit dieser schwierigen Situation um und was bedeutet der Begriff "Heimat" für sie? Schülerinnen und Schüler unserer Oberstufe kamen im Rahmen des Theaterunterrichts mit Jugendlichen aus dem Donezbecken per Videoschalte ins Gespräch. 

 

Den Ausgangspunkt für den ungewöhnlichen Austausch bildete das internationale Theaterprojekt „Die Stadt zum Mitnehmen“. Das filmische Projekt fand unter der Leitung des hamburger Theaterregisseurs Georg Genoux und dem Kurator Den Gumenii statt. Beteiligt waren Schulen in Troitskoe, Komishvacha, Raigorod, in Popasna, Nikolajewka und Bachmut.

In dem Film erzählen Schülerinnen und Schüler aus der Region Donbass vom Umgang mit dem dort immer noch vorherrschenden Krieg und berichten von ihren ambivalenten Heimatgefühlen. Zwei Theaterkurse des MCGs sahen den Film im Dezember im Unterricht an. Anschließend nahm eine Kleingruppe Kontakt zu den Darstellerinnen und Darstellern auf. "Die Möglichkeit, live mit den Schülerinnen und Schülern aus der Region über ihre Gefühle sprechen zu können, war eine ganz besondere Erfahrung", so Lehrerin Frau Buchberger.

 

Ostukraine21 

 

Insgesamt nahmen acht Schülerinnen und Schüler der PGW/Geschichte-Profile an dem Gespräch teil. Marlene aus dem S1 war eine von ihnen:

"Die allerwenigsten Bürger in Deutschland haben die Erfahrung gemacht, ihren Alltag weiterleben zu müssen, obwohl sich ihr Land im Krieg befindet. Für die Schülerinnen Albina und Viola aus dem Donbass gehören die Konsequenzen eines aktiven Krieges zum Alltag. Sie leben im Donbass Gebiet/Ostukraine in einem kleinen Dorf namens Troitskoe, so klein, dass dieses Dorf nicht einmal im Internet vermerkt ist. Von kleinauf haben die Mädchen traumatische Situationen miterlebt. Aber wie gehen junge Jugendliche mit der Situation um und wie sieht der Alltag dieser Mädchen aus? Ein Schulbus fährt die Schüler zu ihrer kleinen Schule mit nur 400 Kindern. Direkt am Anfang wird uns erzählt, dass dieser Schulbus nicht angegriffen werden darf, da Kinder von Eltern beider Kriegsparteien mitfahren. In der Schule gibt es kleine Klassen, in welchen sie auch aktuelle Projekte angehen. Dieses Jahr ist Musik im Fokus. Musik symbolisiert und vermittelt Glück und eine für alle verständliche Liebe. Es ist ein Weg, dem Alltag zu entfliehen und es ist der Kontrast zu den Geschehnissen. Musik macht diese Mädchen glücklich. Während des Gespräches reißen die Mädchen Witze und lachen zusammen, werfen sogar ein Auge auf einen unserer Mitschüler und laden ihn direkt ein, in den Donbass zu kommen, um ihre Kühe kennenzulernen. Als wir dann auf die sogenannten „Alltagsbomben“ zu sprechen kommen, welche seit 2014 ständig abgeschossen werden, wird es ein wenig ruhiger. „Lasst sie schießen!“ kommt als Aussage. Natürlich hinterlassen die Ereignisse dennoch ihre Spuren. Gewitter sind gänzlich unwillkommen. Aber die Schüler sagen, dass „das Leben weitergeht“, denn Flüchten sei keine Option für sie. Es ist ihre Heimat, sind ihre Menschen und es sind ihre Kühe, die auf der Weide stehen."

 

Weitere Endrücke unserer Schülerinnen und Schüler:

"Mich haben die Offenheit, Transparenz und die gute Stimmung sehr beeindruckt und berührt, da die Schülerinnen und Schüler dort in Umständen leben müssen, in denen ich mich, besonders in Kombination mit Corona, nicht so verhalten hätte." - Carlotta 

"Ich fand besonders toll, dass die Schülergruppe sehr offen und ehrlich über ihr Leben im Krieg berichtet hat." - Priscilla

"Mich hat am meisten berührt, die Lebensgeschichten der Schüler nicht nur durch den Film, sondern auch im persönlichen Gespräch kennenzulernen und die Erfahrungen nachvollziehen zu können." - Negin

"Ich finde es mehr als stark und äußerst beeindruckend, wie glücklich diese Kinder und Jugendlichen gewirkt haben, trotz ihrer Vergangenheit und der Situation, in der sie sich jeden Tag erneut befinden." - Peter 

 

Das allgemeine Fazit: Der Theaterunterricht findet in diesem Schuljahr coronabedingt unter ganz besonderen Bedingungen statt. Dennoch ist es gelungen, ein spannendes Projekt zu realisieren, welches übrigens perfekt zum Zentralabiturthema im Fach Deutsch (u.a. eigene Identität & das Fremdsein) und dem von Interkulturalität geprägten Schulleben am MCG passt. Das gemeinsame Vorhaben hat alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer als erlebte Geschichte nachhaltig geprägt. Die Schülergruppen werden auch in Zukunft Kontakt halten und so den interkulturellen Austausch theatral fortführen.

 

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